Der Gardasee – Mediterranes Leben vor der Haustür

Gardasee-Reisebericht © pixabay.com

Italien, für viele Deutsche der Inbegriff mediterranen Lebens. Denn gerade dieses „La dolce Vita“, das viele Menschen mit Italien in Verbindung bringen, ist genau das, was man sich für den Urlaub wünscht. Eine Möglichkeit dem Alltag zu entkommen, einzutauchen in eine andere Kultur, eine andere Mentalität, eine andere Art zu leben. Dabei beginnt dieses Eintauchen in eine andere Welt bereits kurz hinter der Grenze. In Südtirol sind die Menschen noch stark an der Art und Mentalität der Schweizer und der Österreicher orientiert. Doch wenn man diese Region hinter sich gelassen hat und in die Gegend um Verona vorstößt, beginnt man langsam den südländischen Einschlag festzustellen. Der Gardasee als nördlichste Bastion dieser südlichen Lebensfreude und Mentalität lockt dabei jedes Jahr aufs Neue eine Vielzahl von Touristen aus allen Ecken Deutschlands an.

Da wir das italienische Lebensgefühl schon immer zu schätzen wussten und uns genau dieser Fleck der Erde stets besonders angezogen hat, hatten wir uns entschieden den Gardasee zu besuchen und uns ein Bild davon zu machen, warum so viele Deutsche Jahr für Jahr ihre Oster- oder Sommerferien dort verbringen.

Die Städte am Gardasee – wie Perlen an einer Kette

Es gibt an den Ufern des Gardasees zwölf etwas größere Städtchen, in denen man sich nach einem Hotel, einem Campingplatz oder einem Bungalowpark umschauen kann. Wir entschieden uns für ein Ferienhaus in einem Bungalowpark nahe der Stadt Garda. Es gibt eine Hauptverkehrsstraße, die einmal um den See herumführt und die im Hochsommer eine einzige lange Autoschlange beherbergt. Wie Perlen, die auf eine Kette gezogen werden, liegen die Städte an dieser Hauptverkehrsader. Das führt dazu, dass es oftmals, vor allem in der Hauptsaison, einfacher ist und schneller geht, mit einer der auf dem See verkehrenden Fähren von einer Stadt in die andere übersetzt. Da solche Fahrten bereits für einen recht günstigen Preis zu haben sind, sollte man diese Alternative wirklich in Betracht ziehen, zumal mittlerweile jede Stadt am Gardasee eine Vielzahl von Parkscheinautomaten und Parkuhren aufgestellt hat, um auch an dieser Stelle die kommunalen Einnahmen noch einmal zu erhöhen. Ob man also mit dem Auto wirklich günstiger fährt, ist hier durchaus fraglich.

Gardasee-ImpressionenDie einzelnen Städte haben jeweils ihren ganz eigenen Reiz. Neben den täglich in verschiedenen Städtchen stattfindenden Märkten, die in typisch italienischem Flair daherkommen, findet man hier eine Menge unterschiedliche Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. So kann man am Gardasee, neben dem typischen Badeaufenthalt in manchen Regionen des Sees, hier auch durchaus einen Aktivurlaub verbringen.

Garda – ein kleines Städtchen mit viel Charme

Von unserem Bungalowpark aus waren es nur wenige hundert Meter in die Innenstadt von Garda, vorbei am kleinen Yachthafen bis hin zur gemütlichen Seepromenade. Mehrere Eisdielen und Pizzerien laden zum Verweilen und Genießen ein. Hier kann man bereits ab der frühen Mittagszeit einen einfachen Mittagstisch bestellen. Je weiter man sich dem Abend nähert, desto voller werden vor allem die Pizzerien, die die Touristen mit typisch italienischer Pizza locken. Die kleinen Gässchen, in denen man von Bekleidungsläden bis zu einfachen Souvenirshops nahezu alles findet, verbreiten viel Ambiente, sind aber im Hochsommer schnell restlos überlaufen. Da wir uns für einen Besuch Anfang Oktober entschieden hatten, war es relativ leer in Garda. Überwiegend von Einheimischen umgeben konnten wir den Charme dieses kleinen Städtchens wirklich genießen. Durch einen breiten Laubengang, von Weinblättern umrankt, führte der Weg nach dem abendlichen Essen zurück in unseren über der Stadt thronenden Park, wo wir unsere zwar spärliche, aber doch durchaus funktionell eingerichtete Unterkunft hatten.

Malcesine – einer der größten Märkte der Umgebung

Wenn man italienische Märkte mag, sollte man den von Malcesine auf keinen Fall verpassen. Hier findet man zwischen Lebensmitteln, Kleidung und Souvenirs auch praktische Dinge wie Küchenartikel, Reinigungsutensilien und Ähnliches. Die große Auswahl an unterschiedlichen Händlern und die guten Möglichkeiten, mit den entsprechenden Marktstandbetreibern zu verhandeln, machen den Marktbesuch in Malcesine zu einem echten Erlebnis. Als wir den Markt besuchten, war das Handeln allerdings recht schwer, da die Markthändler aufgrund der bereits beendeten Saison von vorn herein sehr niedrige Preise präsentierten. Die Artikel aus der bereits veralteten Sommerkollektion mussten unter das Volk gebracht werden. Gerade bei Schuhen konnte man, immer vorausgesetzt die wenigen noch vorhandenen Größen passen an den eigenen Fuß, hier echte Schnäppchen machen.

MalcesineNach dem Marktbesuch luden die städtischen Geschäfte zum nächsten Bummel ein. Mehrere Spirituosenläden boten hier die unterschiedlichsten Spezialitäten an. Neben Grappa, Limoncello und unterschiedlichen Weinsorten wurden hier auch Mischgetränke aus Wodka und Frucht wie Fragola (Erdbeere), Pesca (Pfirsich) und anderen Sorten angeboten. Der Norden des Gardasees ist von einigen Bergen der 2500er Reihe umsäumt. Der wohl berühmteste ist der Monte Baldo, direkt bei Malcesine. Hier nutzten wir die Möglichkeit, mit der Seilbahn den Berg hinauf zu fahren und uns dann zu Fuß an den Abstieg zu machen. Der ausgeschilderte Wanderweg herunter nach Malcesine dauert etwa fünf bis sechs Stunden und birgt die eine oder andere durchaus auch anstrengende Passage. Zurück auf dem Parkplatz in Malcesine spürten wir die zurückgelegte Strecke in jedem Muskel. Die abendliche Pizza hatten wir uns in diesem Fall wirklich verdient.

Monte-Baldo-MassivAktivurlaub in Riva del Garda – Surfwinde und Naturwunder

Riva del Garda ist der Urlaubsort Nummer eins im Norden der Region Gardasee. Umgeben von Bergen mit verschiedenen Wanderwegen in die nördlichen Gebirge bietet Riva del Garda neben guten Winden für Surffreunde vor allem ein wunderbares Bergpanorama. Nahe der Stadt, in nordwestlicher Richtung, findet man den Wasserfall von Varone, eine echte Touristenattraktion. Der Wasserfall, der in einer Grotte mehrere Meter in die Tiefe stürzt, lockt jährlich eine Vielzahl von Besuchern an. Die Öffnungszeiten findet man zum Beispiel auf der offiziellen Homepage des Gardasees.

Riva-del-GardaWir mussten allerdings auch feststellen, dass man hier den Unterschied zwischen der Nordregion des Gardasees, die noch zur Provinz Trentino gehört, und dem Süden des Sees, der bereits Teil der Regionen Venetien und Lombardei ist, durchaus spüren kann. Gerade Riva del Garde kommt im Vergleich zu den südlicheren Regionen eher etwas dunkel und farblos daher. Die Badestrände in Riva del Garda gelten dagegen als mit die Schönsten der ganzen Region.

Sirmione – Glanzstück unter den Perlen

Wohl die schönste Stadt, die wir am Gardasee besuchten, war Sirmione. Am südlichsten Zipfel des Sees gelegen, auf einer dreieckigen Landzunge, die in den See hineinragt, bietet Sirmione das Flair einer gemütlichen italienischen Altstadt. Das Schloss von Sirmione ist nur einer der Hingucker dieser wunderschönen Stadt. Das alte Stadttor und die Stadtmauer sind noch immer in weiten Teilen erhalten. Mehrere alte Kirchen und der historische Stadtkern laden zum Bestaunen und Verweilen ein. Einige große Bäume, in deren Schatten eine Vielzahl von Bänken zum Verschnaufen verlocken, können ebenfalls bereits auf eine beträchtliche Lebensdauer zurückblicken.

SirmioneVor allem die Altstadt mit ihren schmalen Gassen und verwinkelten Plätzen wollten wir uns näher anschauen. Von Bekleidungs- bis zu Antiquitätengeschäften findet man hier nahezu alles, was einen Urlaubseinkaufsbummel ausmacht. Ein gutes Stück Historie dazu und es bietet sich ein perfekter Urlaubstag in einer wunderschönen italienischen Stadt.

Sehenswürdigkeiten im Umland

In der Nähe des Sees findet man verschiedene durchaus bekannte Weinregionen, wie das Lugana-Gebiet, das Anbaugebiet des Bardolino- oder des Soave-Weines. Hier kann man auf verschiedenen Weingütern Weinverkostungen buchen. Dazu gehört in der Regel ein gutes italienisches Landessen. Für Weinliebhaber ein absolutes Erlebnis.

Ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel ist Verona, die Stadt von Romeo und Julia. Nur wenige hundert Kilometer weiter kommt man nach Venedig. Auch diese Stadt ist nach etwa zwei bis dreistündiger Autofahrt erreichbar.

Perfekt geeignet für Kinder sind mehrere Freizeitparks im Süden des Gardasees, wie zum Beispiel das Gardaland.

Nach zehn Tagen Aufenthalt machten wir uns wieder auf den Heimweg, um vieles entspannter und um eine Menge Erfahrungen und Eindrücke reicher.

Gardasee – Paradies für Surfer und Segler – Videobeitrag vom Hessischen Rundfunk

Bildquellen: © pixabay.com

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