Jena: Zentrum deutscher Geschichte und Wissenschaftsstadt

Jena Marktplatz im Advent

Die Saalestadt Jena im Herzen Thüringens zählt kaum zu den einschlägigen Touristenzielen Deutschlands, ist aber nicht minder eine Reise wert als Nordsee, Harz oder Alpen. Für dieses Versprechen stehen große Namen wie Napoleon, Goethe oder Schiller sowie eine abwechslungsreiche, naturbelassene Umgebung.

Idyllisches Saaletal

Jena ist wie kaum eine andere Stadt Deutschlands vollständig von Muschelkalkhängen umgeben, den sogenannten „Kernbergen“. Sie sorgen für ein mildes, warmes Klima, sodass an den Hängen sogar wilde Orchideen wachsen und Wein angebaut wird. Die höchste Erhebung, die es um Jena zu ersteigen gibt, misst dabei knapp 400 Höhenmeter. Wer durch die dortigen Nadelwälder streift, kann rundum den herrlichen Blick auf das grüne Saaletal genießen und entlang des Weges Spuren mittelalterlicher Burgen ausmachen. Die ältesten Anlagen gehen bis auf die Bronzezeit zurück. Tief im Tal dominiert hingegen der Saalestrom, an dessen Ufern herrliche Wiesen und Auen erhalten wurden.

Sehenswürdigkeiten Jena: Mittelalterliches Flair

Jena vom BergVon den Bergen aus braucht es keine halbe Stunde, um die Innenstadt zu erreichen. Sie wird von Resten der mittelalterlichen Stadtbefestigung gerahmt. Besonders hervorzuheben ist der Anatomieturm, in welchem Johann Wolfgang von Goethe und Justus Christian Loder den menschlichen Zwischenkieferknochen entdeckten sowie das architektonisch bedeutende „Haus auf der Mauer“ am alten Johannisturm.

Das Zentrum des mittelalterlichen Jenas bildet jedoch das historische, gotische Rathaus von 1377, das zu jeder vollen Stunde die Blicke bannt. Grund dafür ist die Figur des „Schnapphans“ an der Turmuhr. Schlägt es Zwölf setzt sich ein filigranes Räderwerk in Bewegung und der Hans schnappt nach einer goldenen Kugel, die einen Thüringer Kloß symbolisiert. Wird der Kloß vom Hans eines Tages verschluckt, bedeute dies den Weltuntergang. Das raunen zumindest die alteingesessenen Jenenser, die um die „Sieben Wunder Jenas“ wissen. Neben dem Schnapphans zählen hierzu unter anderem das architektonische Kuriosum des unterfahrbaren Altars der Stadtkirche St. Michael, der siebenköpfige Drache „Draco“, der markante Jenzig-Berg, die mittelalterliche Camsdorfer Steinbogenbrücke von 1480 sowie der sagenumwobene Fuchsturm. Mehr dazu erfährt man im Stadtmuseum „Göhre“ direkt am Marktplatz, schräg gegenüber dem Rathaus.

Stapelstadt des Wissens

Mit Beginn der Neuzeit entwickelte sich Jena zu einer Wissenschaftsstadt, die bis heute einen herausragenden Ruf genießt. Initiale zu dieser Entwicklung gab Johann Friedrich I. von Sachsen, an den auf dem Marktplatz mit der Statur des „Hanfried“ erinnert wird. Er gründete 1558 die Friedrich-Schiller-Universität – eine der bis heute traditionsreichsten und ältesten Universitäten Deutschlands. Das alte Jenaer Schloss dient ihr als Hauptgebäude und ist für Besucher frei zugänglich. In den ehrwürdigen Hallen, in denen rund ums Jahr Ausstellungen stattfinden, wirkten schon Größen wie Fichte, Hegel, Schelling, Schlegel, Novalis, Hölderlin, Brentano, Marx sowie Ernst Abbe, Otto Schott oder Carl Zeiß.

Der berühmteste Professor der Universität ist jedoch ihr Namensgeber Friedrich Schiller. Er lebte ab 1794 in der Saalestadt, die sich damals schon als „Stapelstadt des Wissens“ einen Namen gemacht hatte. Zu besichtigen ist heute noch Schillers Gartenhaus im Zentrum, seine verschlafene Traukirche in Jena-Ost sowie das ehemalige Wohnhaus am Markt. In letzterem besiegelten Schiller und Goethe ihre legendäre Freundschaft, die sie literarisch, philosophisch und naturwissenschaftlich noch so beflügeln sollte.
Nur drei Minuten zu Fuß entfernt, liegt zudem noch das Romantikerhaus, in welchem Johann Gottlieb Fichte lebte. Um 1800 war dieses Gebäude eine weitere Strahlkraft in der geistig-kulturellen Entwicklung Deutschlands. Im Inneren lässt sich heute eine Dauerausstellung zur Jenaer Frühromantik besichtigen.

Stätte deutscher Geschichte

Verlässt man hingegen die altstädter Saaleseite, gelangt man bald darauf zum Gasthaus „Grüne Tanne“. Hier formierte sich Anfang des 19. Jahrhunderts die erste Burschenschaft Deutschlands, was zugleich die Geburtsstunde der Nationalfarben Schwarz, Rot und Gold werden sollte. Die Jenaer „Urburschenschaft“ war zudem Ausgangspunkt der deutschen Studentenbewegung, die dem sehnsüchtigen Wunsch nach einem geeinten, freiheitlichen Deutschland Ausdruck verlieh. So zogen die Jenaer Studenten 1813 von hier aus auch unter anderem zur Völkerschlacht bei Leipzig, um in den Befreiungskriegen gegen die Fremdherrschaft Napoleon Bonapartes zu kämpfen.

Napoleon Bonaparte selbst war ebenfalls schon in Jena. 1806 schlug er in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt die preußische Armee. Das einstige Schlachtfeld rund um den Napoleonstein liegt westlich der Stadt und ist über das Mühltal zu erreichen. Alljährlich im Oktober stellt der Verein „Jena 1806“ die historische Schlacht nach. In Cospeda erinnert zudem ein Museum ganzjährig an das tiefgreifende Ereignis. Obwohl Napoleon den Sieg davon trug, sind die Jenenser heute dennoch stolz, dass der spätere Kaiser zumindest die Brücke vor dem Eiffelturm nach ihrer Stadt benannt hat.

Zentrum für Wissenschaft und Technik

Jena ZentrumIm 20. Jahrhundert machte sich Jena vor allem als Stadt der Wissenschaften einen Namen. Dazu trugen renommierte Unternehmen wie die Feinmechanikindustrie von Carl Zeiss sowie die Optikwerkstätten von Ernst Abbe erheblich bei. Jenaer Glas und Feinoptikteile von Zeiss sind heute noch weltberühmt und begehrt. Einst lagen die Fabriken mitten in der City, rund um den heutigen Campus, nahe des Optischen Museums am Carl Zeiss-Platz. Außerdem entstand 1926 das Zeiss-Planetarium, welches heute das  betriebsälteste Planetarium der Welt ist. Hochmoderne Lichtprojektion macht es hier möglich, zu jeder Tageszeit alle kosmischen Fixsterne und Planeten auf die Innenseite des Kuppeldaches zu projizieren. Eine Vorstellung sollte man nicht versäumen.

Bei schönem Wetter lohnt zudem der Besuch im Botanischen Garten direkt nebenan. Auf 4,5 Hektar werden rund 12.000 Pflanzenarten aus der ganzen Welt gezeigt. Besonders die tropischen Gewächshäuser mit ihren Bächen und Seen erfreuen sich großer Beliebtheit. Der Botanische Garten Jena ist der zweitälteste Deutschlands und ist Attraktion sowie Erholungsraum zugleich.

Neben Pharmazie, Technik, Wissenschaft und Optik ist in Jena heute noch die Software-Branche ansässig. Sie ist im sogenannten „Jentower“ vertreten, dem markantesten Gebäude im Saaletal. Der inzwischen 160 Meter hohe Turm entstand in den 1970er Jahren für Zeiss und wurde zu Jenas Wahrzeichen, das von den Bürgern liebevoll „Jentower“ genannt wird. Es handelt sich um den höchsten Büroturm Ostdeutschlands und nach einer Fahrt mit dem schnellsten Fahrstuhl der Republik, kann man hier von weit oben nochmals eine fantastische Aussicht auf Jena sowie das ganze Saaletal genießen. Damit ist der „Jentower“ in doppelter Hinsicht der krönende Höhepunkt eines Ausflugs nach Jena.

Infrastruktur und Anreise

Jena ist, so sagt man oft, die „Stadt der kurzen Wege“. Innerhalb der Stadt existiert ein sehr gut ausgebautes Nahverkehrssystem mit Bussen und Straßenbahn. Hier lohnen für einen Besuch Tages- sowie Gruppenkarten. Die City selbst wirkt sehr kompakt und viele Punkte sind in kurzer Zeit zu Fuß zu erreichen. Aber auch regional ist Jena sehr gut angebunden. So verläuft im Süden die A4 Frankfurt a.M. – Dresden. Außerdem verfügt Jena über die Besonderheit von gleich fünf Bahnhöfen, die mit Regionalzügen oder dem ICE erreichbar sind: Jena-West, Jena-Paradies (beide zentrumsnah), Jena Saalbahnhof, Jena-Göschwitz sowie Jena-Zwätzen. Östlich der Stadt liegt zudem der Verkehrsflugplatz Jena-Schöngleina. Die nächsten Flughäfen sind Leipzig-Altenburg und Leipzig/Halle, Nürnberg sowie Erfurt-Weimar.

Video-Impressionen der Universitätsstadt Jena

Nachfolgend sehen Sie ein Video mit Impresssionen der Stadt Jena.

Bildquellen
1) „Henry Mühlpfordt / Wikimedia“ – Jena Zentrum.jpg
2) „Lars0001 / Wikimedia“ – Jena vom Berg.jpg
3) „ReneS a flickr / Wikimedia“ – Jena Marktplatz im Advent.jpg